Zerwühltes Doppelbett mit deutlich getrennten Bettseiten als Symbol für emotionale Distanz und die Frage, ob man in einer unglücklichen Beziehung gehen oder bleiben soll.

Neuanfang

Unglückliche Beziehung: Gehen oder bleiben?

Unglückliche Beziehung: Gehen oder bleiben?

Du bist nicht getrennt – und trotzdem tut deine Beziehung weh. Gleichzeitig gibt es so vieles, das euch verbindet. Wie findest du heraus, ob es sich lohnt zu bleiben oder ob du nur noch festhältst, weil Gehen Angst macht?

Du bist nicht getrennt. Und trotzdem hast du Liebeskummer.

Vielleicht klingt das im ersten Moment widersprüchlich. Schließlich sitzt dein Partner noch neben dir auf dem Sofa, ihr teilt euch ein Zuhause, vielleicht habt ihr Kinder, gemeinsame Freunde und einen Alltag, der von außen ziemlich normal aussieht. Und trotzdem merkst du schon länger, dass etwas nicht mehr stimmt.

Du bist unzufrieden. Vielleicht inzwischen sogar richtig unglücklich. Du fühlst dich nicht mehr gesehen, nicht mehr verbunden oder hast das Gefühl, dass ihr eigentlich nur noch nebeneinander herlebt. Und irgendwann taucht diese eine Frage auf, die sich nicht mehr so leicht wegschieben lässt:

Soll ich gehen oder bleiben?

Das Schwierige daran: Wahrscheinlich gibt es nicht nur Gründe zu gehen. Sonst wäre die Entscheidung längst gefallen. Da ist schließlich ein Mensch, mit dem du vielleicht viele Jahre deines Lebens verbracht hast. Da sind Erinnerungen, Gewohnheiten und all das, was ihr gemeinsam aufgebaut habt.

Und irgendwo dazwischen bist du. Mit dem Wunsch, endlich wieder glücklich zu sein – und der Angst, dafür vielleicht dein ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellen zu müssen.

Auch in einer Beziehung kann man Liebeskummer haben

Liebeskummer beginnt nicht zwangsläufig erst nach einer Trennung. Manchmal sitzt er schon lange vorher mit am Tisch.

Er zeigt sich vielleicht nicht als der große dramatische Schmerz. Eher als diese vielen kleinen Momente, in denen du dich fragst, wann ihr euch eigentlich so weit voneinander entfernt habt. Als Enttäuschung nach einem Gespräch, von dem du gehofft hattest, dass diesmal wirklich etwas anders wird. Oder als dieses merkwürdige Gefühl, einsam zu sein, obwohl du gar nicht alleine bist.

Natürlich ist in einer langjährigen Beziehung nicht immer alles wunderbar. Beziehungen haben ihre sonnigen Zeiten und ihre ziemlich ungemütlichen Wetterlagen. Man streitet, nervt sich, hat Stress, verliert sich zeitweise im Alltag und findet hoffentlich irgendwann wieder zueinander.

Nicht jede schwierige Phase bedeutet deshalb, dass eine Beziehung am Ende ist.

Aber irgendwann macht es einen Unterschied, ob ihr gerade durch ein Gewitter geht – oder ob du seit Jahren darauf wartest, dass es endlich aufhört zu regnen.

Eine schwierige Phase – oder bist du wirklich unglücklich?

Diese Frage lässt sich von außen kaum beantworten. Und wahrscheinlich auch nicht mit einem schnellen Beziehungstest im Internet. Vielleicht hilft dir stattdessen ein Blick auf die vergangenen Monate oder sogar Jahre.

Ist das, was dich gerade belastet, neu? Gibt es einen konkreten Grund dafür? Oder kennst du diese Unzufriedenheit schon so lange, dass sie beinahe zu eurem Alltag gehört?

Vielleicht denkst du immer wieder: Wenn erst der Stress im Job vorbei ist. Wenn die Kinder größer sind. Wenn wir wieder mehr Zeit haben. Wenn dieses eine Problem endlich gelöst ist.

Und so vergehen Monate. Manchmal Jahre.

Interessant ist deshalb nicht nur die Frage, wie glücklich du heute in deiner Beziehung bist, sondern auch, ob sich überhaupt etwas bewegt. Denn eine schwierige Phase kann vorübergehen. Ein Zustand, den niemand verändern möchte, bleibt dagegen häufig genau das: ein Zustand.

Paar räumt gemeinsam Einkäufe aus dem Auto und funktioniert im Alltag als Team, obwohl zwischen beiden emotionale Distanz spürbar ist.

Wenn du immer wieder sagst, was dir fehlt

Vielleicht hast du längst versucht, etwas zu verändern. Du hast deinem Partner gesagt, dass du dich einsam fühlst. Dass dir Nähe fehlt. Dass ihr kaum noch miteinander redet. Dass dich bestimmte Verhaltensweisen verletzen oder du dir wünschst, dass ihr wieder mehr miteinander statt nur nebeneinander lebt. Und vielleicht habt ihr danach sogar ein gutes Gespräch geführt. Nur verändert hat sich anschließend wenig.

Dann lohnt sich ein genauer Blick darauf, was mit deinen Bedürfnissen passiert, wenn du sie äußerst. Werden sie gehört? Nimmt dein Partner sie ernst? Ist er bereit, gemeinsam mit dir nach Lösungen zu suchen?

Das bedeutet nicht, dass er jeden deiner Wünsche erfüllen muss. Genauso wenig musst du jeden seiner Wünsche erfüllen. Eine Beziehung besteht schließlich aus zwei Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Macken und Vorstellungen.

Aber es macht einen Unterschied, ob ihr miteinander um etwas ringt – oder ob nur eine von euch beiden überhaupt noch versucht, etwas zu bewegen.

Eine Beziehung kann sich verändern. Nur lässt sie sich auf Dauer schwer allein für zwei Menschen verändern.

Verlassener Esstisch mit zwei halb vollen Gläsern, kaum angerührtem Essen und zurückgeschobenen Stühlen nach einem schwierigen Gespräch in einer Beziehung.

Warum Gehen so schwer sein kann – obwohl du unglücklich bist

Vielleicht weißt du längst ziemlich genau, was dir fehlt. Und trotzdem bleibst du. Das ist überhaupt nicht so widersprüchlich, wie es zunächst klingt.

Denn mit einer langjährigen Beziehung ist viel mehr verbunden als Liebe. Da ist vielleicht euer Zuhause. Eure finanzielle Situation. Die Kinder. Der gemeinsame Freundeskreis. Urlaube, Weihnachten, Sonntagsfrühstück und all die kleinen Selbstverständlichkeiten eines gemeinsamen Lebens.

Vielleicht regelt dein Partner Dinge, um die du dich bisher kaum kümmern musstest. Vielleicht verdienst du deutlich weniger als er. Vielleicht fragst du dich, wo du überhaupt wohnen würdest. Oder wie sich eine Trennung auf eure Kinder auswirken könnte.

Und dann ist da noch etwas, das sich kaum in eine Pro-und-Contra-Liste schreiben lässt: das Vertraute.

Du weißt, wie dein jetziges Leben funktioniert. Vielleicht gefällt es dir nicht mehr besonders gut – aber du kennst es. Was nach einer Trennung kommt, kennst du nicht.

Manchmal halten wir deshalb nicht nur an einem Menschen fest. Wir halten an einem ganzen Lebensentwurf fest.

amiliengarage mit Fahrrädern, Kindersachen, Gartengeräten, Werkzeug und Alltagsgegenständen als Symbol dafür, wie viel gemeinsames Leben an einer langjährigen Beziehung hängt.

Bleibst du aus Liebe – oder aus Angst vor dem Danach?

Das ist eine unbequeme Frage. Aber vielleicht eine der wichtigsten.

Was hält dich heute in deiner Beziehung? Ist es die Liebe zu diesem Menschen? Das Gefühl, dass ihr euch trotz aller Schwierigkeiten noch wirklich nah seid? Der Wunsch, gemeinsam etwas zu verändern?

Oder denkst du bei der Vorstellung einer Trennung zuerst daran, was du alles verlieren könntest? Das Haus. Sicherheit. Geld. Gewohnheiten. Gemeinsame Freunde. Den Status als Paar. Vielleicht auch die Vorstellung, mit Mitte 40 oder 50 plötzlich wieder allein zu sein.

Angst vor einer Trennung bedeutet nicht automatisch, dass die Beziehung falsch ist. Eine große Veränderung darf Angst machen. Aber Angst und Liebe sind eben auch nicht dasselbe. Vielleicht hilft dir deshalb eine kleine gedankliche Verschiebung.

Frag dich nicht nur: „Warum sollte ich gehen?“ Frag dich auch: „Warum möchte ich bleiben?“ Und hör dir deine eigene Antwort genau an.

Was spricht eigentlich noch fürs Bleiben?

Wenn man lange unglücklich ist, kann auch der umgekehrte Effekt entstehen: Plötzlich sieht man nur noch das, was nicht funktioniert. Deshalb gehört zur ehrlichen Bestandsaufnahme auch die andere Seite. Was gibt es zwischen euch, das du nicht verlieren möchtest? Ist da noch Zuneigung? Könnt ihr miteinander lachen? Interessiert ihr euch füreinander? Fühlst du dich respektiert? Gibt es körperliche Nähe, die sich für dich gut anfühlt? Habt ihr noch gemeinsame Vorstellungen davon, wie ihr leben möchtet?

Und vielleicht am wichtigsten: Wollt ihr beide noch diese Beziehung? Nicht nur das Haus behalten. Nicht nur den Kindern eine Trennung ersparen. Nicht nur verhindern, dass sich das Leben verändert. Sondern wirklich diese Beziehung miteinander führen.

Wenn die Antwort darauf bei euch beiden Ja lautet, gibt es vielleicht etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Dann kann es darum gehen, alte Muster zu verändern, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen oder sich Unterstützung zu holen, wenn ihr allein immer wieder an denselben Stellen hängen bleibt.

Bleiben ist nicht automatisch mutlos. Manchmal ist Bleiben eine sehr bewusste Entscheidung. Aber dann sollte es eine Entscheidung für etwas sein – und nicht nur gegen die Angst vor dem Gehen.

Frau sitzt nach dem Ende eines Films allein in einem leeren Kinosaal und hält ruhig inne – als Symbol für die Frage, ob sie in ihrer Beziehung bleiben oder gehen möchte.

Wenn deine Beziehung dir Angst macht

An einer Stelle ist die Frage „Gehen oder bleiben?“ allerdings zu klein. Wenn dein Partner dich bedroht, kontrolliert oder körperlich bzw. sexualisiert gewalttätig wird, geht es nicht um eine normale Beziehungskrise und auch nicht darum, eine möglichst ausgewogene Pro-und-Contra-Liste zu erstellen. Auch ständige Erniedrigungen, Einschüchterungen und Kontrolle solltest du nicht damit erklären, dass du eben auch Fehler machst oder ihn manchmal provozierst.
In einer solchen Situation ist es sinnvoll, dir Unterstützung von einer geeigneten Beratungsstelle oder einer vertrauten Person zu holen und deine Sicherheit in den Mittelpunkt zu stellen. Bei unmittelbarer Gefahr wende dich an die örtlichen Notfalldienste.

Gehen oder bleiben? Diese Fragen können dir Klarheit geben

Vielleicht wünschst du dir an dieser Stelle eine eindeutige Antwort. Einen Satz, nach dem du weißt: Okay. Jetzt ist klar, was ich tun muss. Den kann dir niemand seriös geben. Aber du kannst anfangen, genauer hinzusehen. Und dafür würde ich nicht einfach zwei Spalten mit „Pro“ und „Contra“ füllen. Ein großes Haus wiegt schließlich nicht automatisch drei Jahre Einsamkeit auf, nur weil beides jeweils einen Punkt auf der Liste bekommt.

Nimm dir lieber ein paar Fragen vor und beantworte sie so ehrlich wie möglich:

  • Wenn unsere Beziehung in drei Jahren noch genauso wäre wie heute – würde ich bleiben wollen?
  • Was müsste sich verändern, damit ich wieder gern in dieser Beziehung wäre?
  • Habe ich meinem Partner wirklich gesagt, was mir fehlt – und was ist danach passiert?
  • Was hält mich bei ihm: Liebe, Verbundenheit und gemeinsame Wünsche oder vor allem Angst, Sicherheit und Gewohnheit?
  • Kann ich in dieser Beziehung ich selbst sein?
  • Fühle ich mich gesehen und respektiert?
  • Sind wir beide bereit, etwas zu verändern?
  • Vermisse ich meinen Partner – oder vermisse ich vor allem die Beziehung, die wir einmal hatten?
  • Welche Vorstellung macht mir mehr Angst: zu gehen oder in einigen Jahren festzustellen, dass sich nichts verändert hat?

Vielleicht sind deine Antworten eindeutig. Vielleicht überhaupt nicht. Auch das ist eine Erkenntnis.

Du musst die Entscheidung nicht heute treffen

Wenn du seit Jahren mit dir ringst, klingt dieser Satz vielleicht zunächst wenig hilfreich. Schließlich möchtest du gerade endlich wissen, was du tun sollst.
Aber Klarheit entsteht nicht unbedingt dadurch, dass du dich unter Druck setzt. Du musst nicht heute entscheiden, ob du den Rest deines Lebens mit diesem Menschen verbringen möchtest. Vielleicht reicht zunächst die Entscheidung, deine Unzufriedenheit nicht länger wegzuschieben. Nimm sie ernst.

Beobachte, was zwischen euch passiert. Sprich aus, was dir fehlt. Schau nicht nur darauf, was dein Partner verspricht, sondern auch darauf, was sich tatsächlich verändert. Und ebenso wichtig: Schau auf dich. Denn vielleicht hast du dich bei all der Frage, was aus euch werden soll, selbst ein bisschen aus den Augen verloren.

Vielleicht geht es zuerst gar nicht ums Gehen

Wenn du dich ständig fragst, ob du gehen oder bleiben sollst, scheint es nur diese beiden Möglichkeiten zu geben. Tür auf oder Tür zu. Dabei kann dein erster Schritt viel kleiner sein. Vielleicht entscheidest du heute noch gar nichts über deine Beziehung. Vielleicht entscheidest du zunächst nur, dich selbst wieder ernst zu nehmen. Wieder herauszufinden, was du möchtest, was dir fehlt und wie du eigentlich leben willst.

Denn egal, ob du am Ende bleibst und ihr eure Beziehung neu gestaltet oder ob du irgendwann gehst: Dein Leben sollte nicht nur aus Aushalten bestehen. Und vielleicht ist genau das die Klarheit, die du zuerst brauchst.

Dein Leben darf wieder mehr nach dir aussehen

Wenn du gerade merkst, dass du dich selbst zwischen Beziehung, Alltag und der Frage „Gehen oder bleiben?“ irgendwo verloren hast, musst du nicht gleich dein komplettes Leben umkrempeln.

Mit „5 Schritte in dein neues glückliches Leben“ kannst du zunächst bei dir anfangen. Nicht mit der Entscheidung, ob du dich trennen sollst, sondern mit der Frage, was du für dich und dein Leben eigentlich wieder möchtest.

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