Frau begegnet einem früheren Partner entspannt in der Stadt und zeigt, dass nach einer Trennung ein neuer Umgang miteinander möglich sein kann.

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Freundschaft mit dem Ex: Wann sie funktioniert – und wann Abstand besser ist

Freundschaft mit dem Ex: Wann sie funktioniert – und wann Abstand besser ist

Kann Freundschaft mit dem Ex wirklich funktionieren? Manche ehemaligen Partner verschwinden nach einer Trennung aus unserem Leben, andere bleiben – als Freunde, als Eltern unserer Kinder oder einfach als Menschen, mit denen uns ein Stück Geschichte verbindet. Entscheidend ist nicht, was „normal“ ist, sondern was dieser Kontakt heute mit dir macht.

Ich bin mit den meisten meiner Expartner heute freundschaftlich verbunden. Mit dem Vater meines Sohnes bin ich sogar sehr eng befreundet – und für unseren Sohn war das immer ziemlich schön.

Auch mein jetziger Partner hat ein gutes Verhältnis zu seiner Exfrau. Und ich? Verstehe mich ebenfalls gut mit ihr. Wenn wir uns sehen, freue ich mich und wir quatschen gern eine Runde. Mein Partner wiederum versteht sich gut mit meinem Exmann. Neulich haben die beiden zusammen mit unserem Sohn sogar eine Radtour gemacht.

Klingt beneidenswert entspannt. War es aber natürlich nicht immer.

Bis ehemalige Beziehungen irgendwann wirklich Vergangenheit sein dürfen, kann einiges passieren. Und nicht aus jeder alten Liebe muss später eine Freundschaft werden. Manchmal ist genau das Gegenteil richtig: Abstand.  Denn die entscheidende Frage ist für mich nicht, ob man mit einem Expartner befreundet sein sollte. Sondern: Was macht dieser Mensch heute noch in deinem Leben – und was macht der Kontakt mit dir?

Warum Exbeziehungen so viele Gefühle auslösen

Eigentlich ist die Sache klar: Die Beziehung ist vorbei. Vergangenheit. Ende.

Nur hält sich unser Gefühlsleben leider nicht immer an diese hübsche Ordnung. Expartner tauchen auf Fotos auf, werden in Geschichten erwähnt oder schicken plötzlich eine Nachricht. Vielleicht begegnet man ihnen auf einer Feier. Vielleicht gehören sie wegen gemeinsamer Kinder ohnehin weiterhin zum Alltag.

Und dann gibt es natürlich noch die Expartner des Menschen, mit dem wir heute zusammen sind. Auch so ein herrliches Thema. Dein Partner erwähnt beiläufig seine Ex – und während du noch ganz entspannt deinen Kaffee trinkst, startet im Kopf bereits die Netflix-Serie: Wie waren die beiden wohl zusammen?
War sie schöner? Lustiger? Spannender? Hatten sie besseren Sex? Vermisst er irgendetwas?

Völlig sinnlos. Und ziemlich menschlich.

Wenn die Ex deines Partners dich verunsichert

Dass zwei Menschen nach einer Trennung respektvoll oder sogar freundschaftlich miteinander umgehen, ist zunächst einmal nichts Bedrohliches. Trotzdem kann es etwas in uns auslösen.

Wir vergleichen uns. Und meistens schneiden wir bei diesem Vergleich erstaunlicherweise nicht besonders gut ab. Das Problem ist dann aber häufig gar nicht die andere Frau. Interessanter ist die Frage, warum ihre bloße Existenz gerade an deinem eigenen Selbstwert kratzt.

Statt dich also zu fragen, wie du gegen die Ex „gewinnen“ kannst, könntest du dich fragen: Warum fühle ich mich gerade kleiner, nur weil es vor mir schon jemanden gab? Du bist schließlich nicht die Fortsetzung ihrer Beziehung. Du bist nicht die nächste Staffel. Du bist eine ganz eigene Serie.

Und du musst auch nicht besser sein als sie. Du bist eine andere Frau in einer anderen Beziehung zu einem anderen Zeitpunkt im Leben dieses Menschen.

Smartphone in einer alltäglichen Paarsituation als Symbol dafür, wie der Kontakt zu früheren Partnern Unsicherheit in einer neuen Beziehung auslösen kann.

Und was ist mit dem eigenen Ex?

Auch unsere eigenen Expartner verschwinden nicht einfach aus unserer Biografie. Mit ihnen gab es vielleicht Urlaube, Sonntage auf dem Sofa, Streit über völlig belanglose Dinge, Sex, Zukunftspläne und diesen ganz normalen gemeinsamen Alltag.

Ein Teil unseres Lebens ist mit ihnen passiert. Das darf so sein. Die Vergangenheit muss nicht schlecht werden, nur weil eine Beziehung zu Ende gegangen ist.

Die spannendere Frage lautet deshalb: Hat dieser Mensch einen guten Platz in deinem heutigen Leben – oder hält der Kontakt etwas am Leben, das eigentlich vorbei ist?

Denn beides ist möglich.

Wann Freundschaft mit dem Ex funktionieren kann

Ja, Freundschaft mit dem Ex kann funktionieren. Vor allem dann, wenn beide die Trennung emotional verarbeitet haben, keiner insgeheim auf ein Comeback hofft und der Kontakt auch mit neuen Partnern offen und respektvoll gelebt werden kann. Wenn Treffen oder Nachrichten dagegen immer wieder Hoffnung, Eifersucht oder Unruhe auslösen, ist Abstand oft die bessere Lösung.

Eine alte Liebe kann tatsächlich irgendwann zu einer Freundschaft werden. Zu einem Menschen, der dich lange kennt und mit dem dich noch immer etwas verbindet – nur eben keine Liebesbeziehung mehr.

Dafür braucht es meiner Meinung nach aber etwas Entscheidendes: Beide müssen wirklich verstanden haben, dass die Beziehung vorbei ist. Wenn einer von beiden heimlich darauf wartet, dass aus dem freundschaftlichen Kaffee irgendwann wieder mehr wird, ist das keine Freundschaft. Dann ist es ein emotionales Wartezimmer. Und darin sitzt auf Dauer niemand besonders bequem.

Manchmal braucht es deshalb nach einer Trennung zunächst Abstand. Vielleicht ein paar Monate. Vielleicht auch zwei Jahre Funkstille. Es gibt keinen Preis dafür, besonders schnell eine „erwachsene Freundschaft“ hinzubekommen. Manchmal entsteht sie später. Und manchmal eben nie. Beides ist okay.

Wenn der Kontakt zum Ex dich nicht loslässt

Schwieriger wird es, wenn du offiziell längst weitergezogen bist, innerlich aber immer wieder zurückkehrst.

Ihr schreibt euch „nur mal so“. Ihr trefft euch gelegentlich auf einen Kaffee. Eigentlich ist alles freundschaftlich. Aber sobald sein Name auf deinem Handydisplay erscheint, macht dein Herz einen kleinen Satz.

Dann lohnt sich Ehrlichkeit. Vielleicht ist dieser Kontakt gerade keine schöne Verbindung zur Vergangenheit, sondern ein emotionaler Rückkanal. Eine Möglichkeit, die Tür einen winzigen Spalt offen zu lassen.

Du musst einen Expartner deshalb nicht grundsätzlich aus deinem Leben streichen. Aber du darfst dir eingestehen, wenn dir der Kontakt nicht guttut. Abstand ist dann kein Drama und auch keine Niederlage. Manchmal ist Abstand einfach Klarheit.

Alte Fotos und Erinnerungsstücke an eine frühere Beziehung zeigen, dass ein Expartner Teil der eigenen Geschichte bleiben kann, auch wenn die Beziehung vorbei ist.

Freundschaft mit dem Ex, wenn gemeinsame Kinder da sind

Mit gemeinsamen Kindern sieht die Sache natürlich anders aus. Dann kann man nicht immer entscheiden, ob man Kontakt möchte. Man muss vielmehr herausfinden, wie dieser Kontakt funktionieren kann.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wertvoll es für ein Kind sein kann, wenn seine Eltern trotz Trennung respektvoll miteinander umgehen. Das bedeutet nicht, dass ehemalige Partner plötzlich beste Freunde werden müssen. Und es bedeutet schon gar nicht, dass man alles schlucken oder alte Verletzungen ignorieren soll.

Aber vielleicht kann etwas Neues entstehen. Keine Paarbeziehung mehr, sondern eine Elternbeziehung. Ein Team an den Stellen, an denen das gemeinsame Kind beide braucht. Und manchmal entwickelt sich daraus mit den Jahren tatsächlich eine Freundschaft. Aber auch die lässt sich nicht erzwingen.

Zwei Erwachsenenräder und ein kleineres Fahrrad stehen gemeinsam am Park und symbolisieren einen respektvollen Umgang getrennter Eltern mit ihrem Kind.

Du musst mit der Ex deines Partners nicht befreundet sein

Das gilt übrigens genauso für die andere Seite.

Natürlich ist es schön, wenn alle miteinander klarkommen. Ich weiß selbst, wie entspannt sich das anfühlen kann. Aber es ist kein Qualitätsmerkmal einer modernen Patchwork-Konstellation, dass am Ende alle gemeinsam am Tisch sitzen und sich blendend verstehen.

Wenn du die Ex deines Partners nicht besonders magst, musst du das nicht ändern. Entscheidend ist vielmehr, ob ihr einen Umgang findet, der für eure Situation funktioniert. Und wenn du merkst, dass dich der Kontakt zwischen deinem Partner und seiner Ex immer wieder verunsichert, sprich darüber. Möglichst nicht mit Vorwürfen über „diese Frau“, sondern darüber, was in dir passiert und was du in eurer Beziehung brauchst.

Denn natürlich darf es auch Grenzen geben. Besonders dann, wenn du spürst, dass dein Partner emotional noch sehr stark in seiner alten Beziehung steckt.

Wer gehört noch in dein heutiges Leben?

Vielleicht müssen wir Exbeziehungen gar nicht in die beiden Schubladen „Kontaktabbruch“ oder „Freundschaft fürs Leben“ stecken. Dazwischen ist ziemlich viel Platz.

Ein Expartner kann ein guter Freund werden. Ein anderer bleibt vielleicht jemand, dem du freundlich zum Geburtstag gratulierst. Mit dem Vater deiner Kinder hast du möglicherweise eine enge Elternbeziehung. Und bei einem anderen Menschen stellst du irgendwann fest, dass dein Leben ohne Kontakt einfach leichter ist. Du musst nichts davon rechtfertigen.

Hilfreicher finde ich zwei andere Fragen: Fühle ich mich durch den Kontakt stärker oder schwächer? Ist dieser Mensch heute wirklich Teil meines Lebens – oder halte ich über ihn an etwas fest, das längst vorbei ist?

Die Antworten darauf können sich übrigens verändern. Was ein Jahr nach einer Trennung noch wehgetan hat, kann fünf Jahre später vollkommen friedlich sein.

Erwachsene begegnen sich entspannt auf einem Sommerfest und zeigen, dass Beziehungen nach einer Trennung neue und friedliche Formen annehmen können.

Expartner dürfen Teil deiner Geschichte bleiben

Ich glaube nicht, dass wir ehemalige Beziehungen aus unserem Leben radieren müssen, um wirklich neu anfangen zu können.

Diese Menschen waren da. Sie gehören zu unserer Geschichte. Manche haben uns geprägt, manche begleitet, manche herausgefordert – und mit manchen haben wir vielleicht sogar Kinder.

Aber Teil deiner Geschichte zu sein bedeutet nicht automatisch, einen Platz in deiner Gegenwart zu bekommen. Diesen Platz darfst du vergeben. Oder eben nicht.

Vielleicht blockierst du deinen Ex. Vielleicht trinkst du einmal im Monat mit ihm Kaffee. Vielleicht sitzt du irgendwann mit seiner neuen Partnerin auf einem Sommerfest und trinkst einen Prosecco. Es gibt dafür keine allgemeingültige erwachsene Lösung. Es gibt nur eine, bei der du irgendwann merkst: So fühlt es sich für mich gut an. Und das reicht.

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